Saalbacher Trailrun 2018


10 Stunden in den Bergen oder „Die Unvollendete“

Die Nacht zum Renntag hatte ich nicht gut geschlafen. Ich habe das Streckenprofil hundertmal gedreht und gewendet. Es blieb immer gleich schwer. 3400 Höhenmeter auf 42 Kilometer verteilt. Ein schier unvorstellbares Vorhaben hatte ich mir da in den Kopf gesetzt. Nach meinem ersten Trail Marathon im Juni beim Mozart100 wo ich die Strecke für „Anfänger“ (42km / 1500HM) gelaufen bin, war ich total am Boden. Die relativ einfache Strecke hat mich damals beinhart abgeworfen. Schlimmste Krämpfe in den Wadln zwangen mich die Halbe Strecke zu gehen! So kam ich nach 8 Stunden ins Ziel, total kaputt aber glücklich. Weil das mit den Krämpfen nicht normal sein konnte machte ich ein paar Wochen später in Reit im Winkl beim neuen MountainMan einen neuen Versuch. Die Beine waren gut aber die Bergab Passagen von der Steinplatte auf felsigem Untergrund haben mir gar nicht gefallen. Ich war im Regenwurm Tempo unterwegs. Nach fast 9 Stunden war ich im Ziel. Im Wissen das ich mehr kann suchte ich die dritte Chance. In Saalbach beim Trailmaster Marathon sollte es passen.

Es passte wieder nicht

Schon am Start wurde mir schlecht. Das kleine Starterfeld mit 37 Startern bestand fast nur aus Berg Gemsen! Alle hatten diesen Blick. Diesen Blick den ich erst lernen muss 🙂 Ich sah es an Ihrer spartanischen Ausrüstung und an Ihren wohl definierten Muskeln. Nur 2 oder 3 Normalos sah ich. Einer hatte so eine Art Jeanshemd an!! Ein älterer Mann mit grauen Haaren. Na den werd ich doch packen. Ich packte ihn nicht, die Sache war nach 1 KM erledigt. Er war weg. Nur das fesche Münchner Dirndl, Katharina, lief mein Tempo. Nach dem Startschuss ging es ohne Aufwärmrunde sofort eine Skipiste hinauf. Ja das war ein Trail – 100%. Von nun an begann ich zu leiden, das ist bald zugegeben, aber ich konnte es nicht ändern. Mir tat vom ersten Meter an die linke Ferse weh. Die hatte ich die Tage vorher mit Tempoläufen am flachen Asphalt demoliert. Ich hätte es wissen müssen. Kurt – bleib im Gelände.

Blick zurück zum Start bzw Ziel..Grün = gelaufen, Rot= nicht gelaufen wegen Renn Abbruch

Heute war zumindest das Wetter gut, Sonnenschein und nicht zu heiß, ideal. Nach den ersten 500 Höhenmetern konnte man das erste mal das großartige Panorama rund um Saalbach genießen. Ich fühle ich wohl hier denn das Gebiet kannte ich ja gut vom Skifahren. Katharina und ich wurden bald vom ganzen Starterfeld überholt und so waren wir ganz alleine Unterwegs. Wir waren wie Pech und Schwefel. Ich war Bergauf schneller, sie bergab. So waren wir gleich langsam und gingen alles gemeinsam. Nach nur 6KM und 1000 Höhenmetern(!) waren wir beim ersten Gipfel. Dem Schattberg Ost Gipfel, hier ist auch das Ziel. Wir waren zumindest schon mal hier. Nach dem ersten Pause liefen wir leicht bergauf und bergab den Bergkamm entlang neben der imposanten Lawinen Verbauung bis zum Schattberg West. Ein Traum Trail. Der erste Downhill verlangte gutes Schuhwerk und Gemsenartiges laufen. Das war nicht mehr so meins. Wir waren auf einem MTB Downhill unterwegs. Mir gänzlich unvorstellbar wie man da mit einem Rad runter fahren kann. In Hinterglemm, zweigte die Light Strecke (24km) ab und wir durften zu unserem zweiten Gipfel aufbrechen. Dem Zwölferkogel, einem Anspruchsvollen Skiberg, mit SKI WM Abfahrtsstrecke. Es wurde heißer und wir mußten die Getränke sparsam verwenden. Der Elite war es wohl egal aber wir Amateure hätten uns hier eine Verpflegungsstation gewünscht. Nach 4 ½ Stunden kamen wir zum Checkpoint am Gipfel. Wir waren die letzten, das war enttäuschend aber eine Tatsache. Wir versorgten uns mit Obst und Getränken und liefen weiter. Die Stimmung war nicht die Beste. Katharina war motiviert aber auch nicht schneller als ich. So sagte ich zu Ihr dass sie bergab ruhig vorne weg laufen kann. Sie wollte nicht, mich freute es natürlich nicht alleine laufen zu müssen. Ab dem Zwölferkogel waren wir am Saalbacher Höhenweg unterwegs. Und das war die beste Trail Sektion des ganzen Sommers. Entlang von bunten Wiesen und steilen Hängen ging es auf die zweite Hälfte des Marathons. Unendlich kitschig schön. Die vielen Wanderer hatten immer aufmunternde Worte für uns, das hob die Stimmung ein bisschen. Die Sportliche Stimmung war gemeint. Wir waren ja nach wie vor letzter und sollten es auch bleiben, soviel darf schon verraten werden.

Neben der bezaubernden floralen Welt waren wir auch angetan von den vielen Kuhherden die das satte Grün sichtlich genossen und den Pferden die majestätisch unter der starken Bergsonne grasten. Dass wir weit so herum kamen hat mich fasziniert, den ganzen Tag sahen wir die Marathon Runde vor uns. Wir konnten immer alle Gipfel sehen die wir schon gesammelt hatten und wir sahen immer das was noch auf uns zu kam. Und das erschrak uns manchmal. Nach 7 Stunden hatten wir erst 26 KM hinter uns. Oje!! Im letzten Downhill vor dem finalen großen Anstieg kamen wir auf eine Lichtung und ein einsamer Streckenposten stoppte uns. Er hat schon auf uns gewartet. Wir hörten wieder das wir immer noch letzte waren. OK, wir werden uns beeilen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Ich konnte einfach nicht richtig laufen vor Schmerzen. Wir liefen/wanderten weiter, auf einem immer noch genialen Wanderweg zur Nächsten Labstation. Die Frau an der Quelle sagte uns bestimmend aber freundlich: „ Ihr seits die letzten“. Wir wissen es, danke für die Info. Wir verweilten wohl länger als alle anderen an den Verpflegungs Stationen. Und Fotos haben wir ja auch gemacht. Wir sind doch beide Blogger!! Wir nahmen alles was wir bekamen. Zwischendurch verteufelten wir den Veranstalter Streckenchef und Mastermind Gunter Mayer. Für uns nahm die Streckenführung oft die eine oder andere unverständliche Wendung. Aber das war wohl nur das Gefühl wenn man LETZTER ist.

Der letzte Anstieg wurde etwas heiß, die Sonne brannte runter mit aller Kraft. Wieder waren über 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Die Bewunderung über die schöne Landschaft ließ uns das Ziel manchmal vergessen. Wir konnten ja nicht schneller. Aber damit wurde auch unser Zeitfenster immer kleiner. Eigentlich war das Ziel zumindest im Zeitlimit von 8,5 Stunden zu bleiben. Das war die erste Hürde die wir nicht geschafft haben. Über die Uhrzeit machten wir uns gar keine Sorgen mehr. Wir waren wie in Trance. Das war schon geil! Zwischen Resumé: “Der Saalbach Trail ist Genial“.

Das war schon geil!

In der Ferne sahen wir das Ziel, glaubten wir. Mir war irgendwie komisch zumute als ich den letzten Aufschwung zum letzten Gipfel, dem Hochkogel sah. Katharina hatte Recht. Da müssen wir auch noch rauf! Und so Steil!! Mir wurde wieder schlecht. Da gehe ich sicher nicht mehr rauf, sagt ich. Da wird’s ja 20 Uhr bist wir im Ziel sind. Wir waren auf 1900Meter an der Abzweigung der Light Strecke als plötzlich mein Handy klingelte! Das musste man ja dabei haben. Am Apparat der Mayer Gunter!! Der Veranstalter gab uns zu verstehen das wir das Rennen abbrechen bzw abkürzen müssen. Es sei zu spät (wohl nur für uns langsamen) um jetzt noch den Hochkogel in Angriff zu nehmen. Er fragte mich ob ich Nummer 28 (Katharina) gesehen habe?! Ich musste lachen. Ja Nummer 28 steht neben mir. Dann fragte er ob wir Nummer 31 gesehen hätten. Der geht noch ab und hebt am Telefon nicht ab. Ich sagte ihm dass wir jemanden am Gipfelgrat gesehen hätten. Das war eine Wertvolle Info wie sich später heraus stellen sollte. Wir nahmen also die Abzweigung und liefen auf der Light Strecke weiter. Nach einer halben Stunde waren wir am letzten Checkpoint. Kurzer Smalltalk mit dem netten Mann. Auf typisch Pinzgauerisch meinte er das es nicht mehr weit sei, 5km noch. Und praktisch Eben. Das mit dem Eben wird hier wohl anders berechnet. Wenn es 200Meter rauf geht, geht’s auch wieder 200Meter runter, damit ist es FLACH. Ok wir haben verstanden. Wir liefen weiter ohne zu ahnen was gleich passieren wird.

Noch ein Hügel liegt vor uns, dahinter das Ziel.

Nach gut 5 Stunden am Saalbacher Höhenweg

Nach gut 5 Stunden am Saalbacher Höhenweg

Jetzt kommt die Wende. Plötzlich taucht ein Geländewagen auf, Hupte uns an und 2 Männer stiegen aus. Sie gaben uns höflich aber bestimmt bekannt dass, das Rennen hier und jetzt für uns beendet sei!! Wir trauten unseren Augen und Ohren nicht. Es war der Veranstalter höchstpersönlich Gunter Mayer! Mit dabei der Marketing Chef vom Skigebiet Saalbach Bernhard Niederseer. Wir sollten hier bleiben, sie suchten noch nach der Nummer 31. Nach kurzer Zeit kamen sie wirklich mit Ihm retour. Er hatte sein Handy verloren, deswegen war er unerreichbar. Unser Rennen war zu Ende weil es schon halb Sechs war! Wir hatten nicht nur das Limit von 8,5 Stunden verfehlt, nein wir hatten auch das allerletzte Limit versäumt! Denn um 16:45 fährt die letzte Seilbahn ins Tal. Wenn uns die nicht gefunden hätten, hätten wir den langen Weg ins Tal zu Fuß antreten müssen. Das hätte sicher 2 Stunden gedauert! DANKE! Ihr wart Super. Wir durften mit dem Jeep ins Tal fahren und sie fuhren uns auch noch bis zu den Hotels! Eine TOP Gästebetreuung!

Der Saalbach Trail wird in ewiger Erinnerung bleiben. In Guten wie im Schlechten. Gut war die Strecke, Schlecht war meine Verfassung. Das ruft nach einer Wiederholung 2019! Das der Sieger Markus Stock nach 5:21 Stunden schon im Ziel war grenzt schon an ein menschliches Wunder, aber er ist ja im echten Leben ein Skibergsteiger Profi! Sein Leistung war also zu erwarten, dass aber eine Dame(Claudia Rosegger) als gesamt Dritte nach 6:09 Stunden ins Ziel läuft haut dem Trail Fass den Boden aus 🙂

Mein Trail Fazit 2018

Ich bin zwar nicht der schnellste aber es ist einfach so schön in der Natur und in den Bergen zu laufen. Ein Traum. Und für meine eigentlich Berufung dem Langlaufen schaden solche Ausdauer Abenteuer sicherlich nicht.

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Trailrun MountainMan 2018 – Reit im Winkl


In Reit im Winkl kenn i jeden Winkl

Wiedergutmachung war meine Devise an diesem Wochenende.  Nach meinem Krampf Auftritt im Juni beim Mozart Trail in Salzburg (42km ,1500 Höhenmetern) war ich bei unseren bayrischen Nachbarn zu Gast. Im Wintersport ist Reit im Winkl eine  gute  und bekannte Marke. Speziell wir Langläufer (www.xc-ski.de) sind hier gut aufgehoben. Perfekte Loipen im Tal und coole Höhenloipen auf der Winklmoos Alm  garantieren gutes Training und beste Voraussetzungen für einen schönen Winterurlaub. Ich selbst bin oft zu Gast hier und genieße das große Loipen Angebot. Im Internet sah ich, dank der Datenfreigabe an die großen Konzerne, den MountainMan. Ein interessanter Name, da war doch was vom Andreas Gabalier? Der singt doch vom MountainMan. Auf nach Reit im Winkl, in die Heimat der Gold Rosi (Rosi Mittermaier), Langlauf Staffel Olympia Siegerin Evi Sachenbacher, und last but not least Volksmusik Königinnen Maria und Margot Hellwig.

MountainMan 2018 , Reit im Winkl

Ich kam am Vortag an und freute mich schon riesig. Die Berge kannte ich vom Skifahren, das wird nett! Nach einer unruhigen Nacht bin ich dann doch nervös geworden. Soll ich starten? Das Wetter war feucht und kalt. Trainiert hatte ich auch wieder nix. Um 06:00 stand ich dann doch am Start. Dieses Mal einen großen Trinkrucksack und einige Gels dabei. Nach dem  Start in bunten Rauchschwaden (gut gemacht liebe Organisation) ging‘s los. Die ca. 500 Starter konnten unter 3 Strecken wählen. Eine Blaue, leichte Strecke mit 22km(800HM), einer Mitteldistanz mit 39km(1500HM) und der Highend Variante mit 51KM und 2200 Höhenmetern. Flach war da nicht viel.  Die Strecken konnten auch gewandert werden! Eine gute Idee. Auch Hunde waren willkommen. Das fand ich gut, die waren alle gut erzogen.

Wir laufen los..

Und nach 3 Kilometer war es schon wieder vorbei mit Lustig. Die Trail begann urplötzlich, ohne Vorwarnung standen fast  600 HM auf dem Programm auf drei  steinigen Kilometern! Wem ist das eingefallen? Vielen Dank. Also ran ans Tagwerk. Ich behielt die Nerven und mir gefiel das Ganze. Ich war in einer Männergruppe unterwegs und kam gut vorwärts. Ich wusste natürlich das, dass ein langer Tag werden würde, wohl um die 7 Stunden bin ich unterwegs. Der Sieger wird in 5:30 wieder im Ziel sein. Nach dem Schotter Downhill zur Seegatterl Alm und Seilbahn Talstation ging es auf einem schmalen Pfad wieder bergauf. Ich war immer noch guter Dinge, hatte keine Muskelkrämpfe. Meine Gruppe aus 3 Männern vergrößerte sich um 3 Frauen, das ist immer gut für die Motivation. Nach gut 400 Höhenmetern waren wir auf der zu Recht berühmten Winklmoos Alm.  Leider trübte Nebel  die Sicht und so sahen wir nur schemenhaft unseren Höhepunkt in der Ferne. Den  1850 Meter hohen Steinplatten Gipfel auf österreichischen Staatsgebiet. Wir waren so eine Art Grenzpatrouille, mal drent dann herent. So soll es sein. Auf der Alm gab es ein gutes Speckbrot und  Iso Getränke. Die vielen Labstationen waren perfekt vorbereitet. Wir konnten aus einem großen Angebot wählen.

 

Echt Stark. Echt MountainMan.

Obwohl ich guter Dinge war, wurde ich etwas stutzig in Bezug auf meine Zeit als ein Bergretter meinte:“ Ihr seit‘s die ersten Wanderer!“ Ich war doch als Läufer gemeldet!? Ich nahm es grantig zur Kenntnis. Weiterlesen

Der Winter kommt.


Oder doch nicht?

Nach einer kurzen Panik wegen Schneefall Ende November kommt jetzt wieder Panik weil kein Schnee in Aussicht ist.

Da ist es  gut, wenn man auch noch andere Ziele hat.  Das erste Ziel heisst unspektakulär: Snowrun. Unter diesem  nichtssagenden Namen versteckt sich aber etwas Feines, etwas für das Archiv im Kopf. Etwas das man nicht so schnell vergisst. Es  handelt sich um einen Winterberglauf. Ganz einfach gesagt. Damit es lustiger wird, läuft man bergauf. Und zwar auf der Ski WM Abfahrtstrecke Planai in Schladming. Ok, jetzt läuten die Glocken bei jedem Bergfex.  Zum zweiten Mal wird heuer dieser Snowrun ausgetragen. Animiert durch das große Vorbild Verticalup auf der Streif in Kitzbühel ersannen ein paar Schladminger ein Gegenstück dazu. Beide Strecken sind gehören zu den schwierigsten Abfahrtsstrecken im Alpinen Weltcup. Damit ist auch der Schwierigkeitsgrad des Laufs vorgegeben. Die Planai hat einen Höhenunterschied von 1080 Höhenmeter und 3,4 Kilometer, also „Berglauf HD“ eigentlich 🙂

Nachdem ich schon 2014 dabei war will ich auch heuer mitmachen. Es fasziniert mich einfach. Im Jänner immer zum Skifahren in Schladming. Da hat sich eine Liebe entwickelt 🙂

Da man nicht ganz unvorbereitet an den Start gehen sollte machte ich einige speziellen Vorbereitungen. Vielleicht hat’s ja was genutzt.

>> Eine 13km lange Gaisberg Runde mit 1000HM.

>> Einen Götschen Trail im Schnee

>> Eine Götschen Trail+Skiroller Runde

>> Eine Rittisberg Runde in der Ramsau