Wachauer Vintage Radtour


Auf dem Rad Zurück in die Zukunft

Greta freundlich wie fast immer reise ich mit dem Zug. Da das Rennen erst am Nachmittag ist geht das leicht. Ich bin in Mautern an der Donau in der schönen Wachau. Auf der anderen Flußseite liegt Krems. Mein Ziel heute ist „Vintage“ Rad Rennen. Auf alten Rädern, Baujahr vor 1987, fährt man ohne Zeitnehmung übers Land. Eine schöne Idee, weil immer muss ja nicht auf Zeit geradelt werden.

Das Rennen findet am Vortag der bekannten Wachauer Radtage statt.

Nach meiner Ankunft im Start Ziel Bereich fühle ich mich schon sehr wohl. Stahl soweit das Auge reicht. Ich hole meine Papier Startnummer und fixiere sie mit dem beigelegten Spagat. Das finde ich schon Mal sehr originell. Mein Rad muss vor dem Start noch zur Materialkontrolle. Jedes Rad Wird geprüft auf ein paar typische Kennzeichen der Zeit. Das ist zuerst das Material. Stahl muss es sein, Holz geht natürlich auch aber auf der langen Strecke eher selten zu sehen. Die Schaltung muss am Rahmen angebracht sein, die Seilzüge aussen. Das sind die wichtigsten Kriterien. Die Pedale sollten die klassischen Käfige sein mit Lederband. Die ersten clickpedale von Look gehen auch. Die kamen ja 1984 auf den Markt. Erwünscht ist natürlich die passende Kleidung. Und da war ich wirklich überrascht wie penibel und vernarrt die Radfahrer sind. Leser in meinem Alter fühlen sich in die goldene Zeit des österreichischen Radsports zurück versetzt. Im Internet werden hohe Preise für original Teile verlangt. Mittlerweile bin ich selbst von diesem Virus infiziert und suche auch nach originalen Stücken. Ich hab mir einen Leder Sturzring besorgt. Nachgebaut natürlich. Schaut lustig aus aber man wird bewundert.

Im steinernen Innenhof der Römerhalle stehen die Boliden aufgefädelt wie im Museum. Ein schöner Anblick, ein Blick zurück in die Zukunft. Mein Rad wird fachmännisch beäugt und gelobt. Ich grinse und bewundere selbst die anderen Legenden.

Wir starten los und fahren zuerst von der Polizei eskortiert über die Donau nach Krems rüber. Ich bekomme eine Gänsehaut als die Passanten, Ausflügler in der Altstadt uns zujubeln. Mit erhobenen Haupt radeln wir im schrittempo durch das Weltkulturerbe an der Donau.Danach geht es raus in die Weinberge.

Die Ortschaften sagen mir nicht viel auf der Strecke. Die Namen der Winzer dagegen schon. Teilweise ist es wie eine Reise durch mein Wein Lager. Nach 15 km auf der Landstraße mit viel Verkehr geht es endlich auf Nebenstraßen in die Weinberge. Idyllische Landschaft wie im Prospekt. Kleine Ortschaften große Lagen.

Nach einem kleinen Anstieg die erste Labstation bei einem kirchlichen Gedenkstein. Es gibt Traubensaft und Marillensaft. Erster Smalltalk mit den Teilnehmern. Ich sehe den ehemaligen Profi Thomas Rohregger. Stilsicher gekleidet auf einem hellblauen bianchi. Es wird ziemlich lange geratscht. Es dauert mir zu lange ich fahre weiter. An einer Weggabelung inmitten der Weinberge bleibe ich Stehen um ein Paar Impressionen festzuhalten. Mittlerweile befinden wir uns auf einem Weg zwischen den Weinreben. Schotter und Schlamm vom gestrigen Regen machen es schwer sicher bergab zu kommen. Die Steigungen und Abfahrten sind leicht zu bewältigen. Nur auf den Wegen zwischen den Weinbergen muss Man sich sehr konzentrieren. Ich komme an einem Radfahrer mit einem Patschen vorbei. Es stehen schon einige Teilnehmer herum und versuchen mit ihrer Luftpumpe zu helfen. Ich gebe ihm auch meine aber keine unserer Geräte funktioniert. Er muss leider warten. Wir fahren weiter. Was mich etwas stört das die Kommunikation zwischen den Radlern eher dürftig ist. Alle sind etwas reserviert zurückhaltend irgendwie. Einige Stücke fahre ich natürlich schon mit anderen Teilnehmern. Bei der Hälfte der Strecke ist eine Rast eingeplant. Hier erfüllt sich der Traum eines jeden retro Rad Freaks. In traumhafter Umgebung mit Stift Göttweig im Blick machen wir Pause in Maria Elend. Vor dem Gasthof sind die Räder in Reih und Glied aufgehängt. Bewundert von uns selbst und noch mehr von den Ausflüglern. Im Gasthof ist im großen Saal für uns gedeckt. Ich bin sprachlos.

Es gibt ein herrliches Österreichisches Heurigen Buffett mit Schnitzerl, Hendhaxerl, Schweinsbraten, Salaten. Unbeschreibliche Auswahl bestens gekocht. Ich nehme mir eine guten Ladung und setze mich hin. Zum Essen ist auch noch ein Getränk inklusive. Das Startgeld hat sich ausgezahlt. An meinem Tisch nimmt auch Thomas Rohregger samt Freundin Platz. Ganz ohne Starallüren wird getratscht. Ich teile ihm meine Bewunderung mit für sein RotweissRotes Trikot und Bianchi Rad. Er sagt mir es sei das Rad und Trikot von seinem Vater. Der ist damit österreichischer Staatsmeister geworden. Respekt. Zu uns gesellt sich auch noch Ideengeber und WM Medaillengewinner Bernhard Rassinger Platz. Er gewann 1987 bei der Heim WM in Villach Bronze im Mannschaftszeitfahren. In seinem Schlepptau Doppel Weltmeister aus den 90er Jahren Gianni Bugno! Er war sozusagen das Testimonial, der Werbeträger der Veranstaltung. Er nahm auch an der Ausfahrt Teil und signierte das Finisher Geschenk. Eine schöne retro Radkappe.

Nach dem Essen fuhr ich lange Zeit mit der Rohregger Gruppe mit. Machte auch ein paar Aufnahmen mit seinen Freunden. Märchenhafte Szenerie zwischen Schloss Göttweig den Weinberge und Marillen Bäumen. Das Wetter war Ideal und so kamen wir gut gelaunt dem letzten Streckenteil näher. Nach der flotten Abfahrt von Maria Elend ging es hügelig weiter. Die letzten zehn Kilometer ging es rasant mit ein paar scharfen Kurven bergab und Donau abwärts dem Ziel entgegen. Der Teil an der Donau war leider wieder auf der Bundesstraße. Vielleicht kann man hier etwas optimieren und auf Nebenstraßen ausweichen. Nach zweieinhalb Stunden kam ich glücklich ins Ziel. Ein paar mehr Kilometer täten der Strecke gut. Im Ziel gab es noch Marillen Knödel für alle.

Ich kann das rennen nur empfehlen und werde auch 2020 wieder teilnehmen.

Granfondo Stelvio Santini 2019


Es gibt Ziele im Leben die sind einem so wichtig das man vieles in Kauf nimmt. Eine Reise zu einem Radrennen nach Italien ist so ein Ziel. Radfahren in Italien ist das Paradies für Velo Freaks. Wenn du auf einem Berg radelst und dir unbekannte Menschen zujubeln muss es kein Traum sein, wahrscheinlich bist du gerade in Italien.

Ausgesucht habe ich mir den Granfondo Stelvio Santini. Der Begriff Granfondo stammt aus dem Italienischen, „fondo“ und bedeutet „Ausdauer“. Wir würden Radmarathon dazu sagen im deutschen Sprachraum. Italien, Auto und Sportfans wissen was das „Stelvio“ ist. Es handelt sich um das Stilfserjoch. Santini ist eine große Sportmarke in Italien.

wikipedia: Das Stilfser Joch ist ein Gebirgspass in den Ortler-Alpen. Mit einer Höhe von 2757 m s.l.m. ist das Stilfser Joch der höchste Gebirgspass in Italien und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen. Es verbindet Bormio im Veltlin (Lombardei) mit Prad im Vinschgau (Südtirol). Auf der Westseite mündet auf 2503 m die über den Umbrailpass kommende Straße von Santa Maria ein.

Fans der Automarke Alfa-Romeo verbinden damit das SUV Stelvio. Eine Hommage an den wohl beliebtesten Pass für Auto und Motorradfahrer. Neben den motorisierten Karawanen die sich im Sommer über den Pass schlängeln ist der Alpenpass auch für Rennradfahrer ein Mekka der Emotionen. Sagenumwobene Geschichten des Giro d` Italia tun das Ihrige um unzählige Sportler in den Vinschgau und ins Veltliner Tal zu locken. Neben diesen Gruppen vorn Sportlern gibt es noch eine weitere Gruppe von die es hierher zieht. Es sind Skifahrer. Da gehöre ich auch dazu und somit hatte ich den Plan zwei Fliegen mit einer Klappe zu erledigen. Der Pass ist im Winter gesperrt. Ende Mai bis Anfang Juni wird der Pass geöffnet und damit auch das Skigebiet am Stilfser Joch. Hier ist das EINZIGE reine Sommer Skigebiet Europas. Von 2800 bis 3400m, mit Loipen! Der Gletscher grenzt direkt an den Pass und ist Pilger Ort von tausenden Skifahrern im Sommer.

GranFondo Stelvio Santini
noch 4 Kilometer

Meine Reiseroute geht über Innsbruck ins Oberinntal Richtung Schweiz. Die Kurze Variante über den noch gesperrten Reschenpass geht leider nicht. Der viele Schnee in diesem Winter hat auch Nachteile. Es geht dem Inn entlang fast bis nach St. Moritz. Weiter über den Ofenpass nach Italien. Der Skiort Livignio ist der erste Punkt auf italienischem Boden. Von da geht es über den Passo di Foscagno  ins Veltliner Tal hinein. Das Radrennen startet in Bormio und geht über verschiedene Pässe und zum Schluss als Krönung zum Stilfserjoch rauf. So der Plan. Im Auto befinden sich neben dem ausgeliehenen Rennrad auch noch meine Alpin Ski und Langlauf Ski, Schnee und Rad steht am Programm. Ich sollte doch für mein xc-ski.de A|N Skimarathon Team eine Langlauf Reportage machen.

Bei meiner Ankunft im Hotel fallen sofort die vielen Radfahrer auf. Kein Wunder denn es sind ja 3000 Rad Enthusiasten im bekannten Skiort. Bormio ist natürlich vielen bekannt als Austragungort des Herren Abfahrtsrennen auf der berühmten „Stelvio“ im Skiweltcup. Ich bin überwältigt vom Ambiente und von der einzigartigen Stimmung im ganzen Ort. Am Tag der Anreise mach ich noch eine kleine Sightseeing Tour im sonst eher verschlafenen Ort im Veltliner Tal. Den so berühmten Bresaola Schinken mit Parmesan lass ich mir natürlich nicht entgehen. An einem der schönen Altstadt Plätze schmeckt er gleich noch viel besser.

Am zweiten Tag nehme ich mir eine kleine Ausfahrt vor, natürlich mit Berg. Leider habe ich mir die Karte nicht genau angeschaut und so wird aus der Ausfahrt eine erste Härteprüfung für Mensch und Maschine. Die mir unbekannte Strasse führte mich hinauf zu einer Mittelstation eines Skigebietes. Belohnt wird mein Schweiss mit einem grandiosen Panorama. Grüne, satte Wiesen wechseln sich ab mit einem Meer aus Frühlingsblumen. Zufriedene Kühe an den steilen Hängen und kleine Dörfer und Weiler machen es zu einem echten Höhepunkt auf meiner Reise. Der Blick schweift über das Tal nach Bormio und rauf zu den Schneebedeckten Bergen. Dreitausender reihen sich in einer Perlenkette auf gekrönt vom Ortler. Dem mit 3905 Metern ehemals höchsten Berg der K.u.K Monarchie! Wieder im Tal wird verwandelt sich mein Seelisches Hoch in ein Tief. Ich sehe das, dass Stilfserjoch geperrt wurde wegen Lawinengefahr. Das war vor ein paar Tagen noch nicht so. In den Gesichtern der Teilnehmer sehe ich eine Prise Wehmut und Trauer. Die Rennorganisation beschließt das Rennen auf einer Ersatz Strecke auszutragen. Die neue Strecke führt die ersten 40 Kilometer auf der original Strecke und geht dann hinauf zum Lago di Cancano. Der See liegt auf 1800 m und wird über eine kurvige aber nicht steile Strasse erklommen. Mit der Strassensperre wird mir aber auch klar das meine Skipläne geplatzt sind!

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 Eddy Merckx Classic 2016- Fuschl am See


63 Kilometer Zurück in die Zukunft

Am 11. September 2016 nahm  ich an meinem ersten Radrennen in meiner dreißigjährigen Amateur Sportkarriere teil. Dem Eddy Merckx Classic Radmarathon in Fuschl am See, vor den Toren Salzburgs. Idyllisch gelegen zwischen Mondsee und dem Fuschlsee. Und dreißig ist auch schon der Einstieg in die Story dieses für mich denkwürdigen Rennens.

Denn mein Rad ist genau 30 Jahre alt. Ein Peugeot Tourmalet Sonderedition, Grand Vitesse mit 12 Gängen. Übersetzung: 42-52 vorne, 24-14 hinten, aus dem Jahre 1986. Natürlich mit Pedalkäfigen. Ein Geschenk eines Nachbars der es von einem Freund bekommen hat. Und dieser ist in den Roaring Eighties damit Rennen gefahren! Auf Ö-Tour  Niveau. Das muß ein Mann mit Bären Kräften gewesen sein.

Das Rennen
(die Vorgeschichte ist fast spannender als das Rennen)

Am Tag vor dem Rennen entdeckte ich bei einer Probefahrt noch ein Leck im am Hinterrad. Da ich ja kein Radfahrer bin sondern Langläufer  im Winter oder Bergläufer im Sommer hab ich keine Ersatzteile im Keller. Ich habe 4 Skiroller und 5 Langlaufski im Keller stehen. Das hilft jetzt auch nix. Was also tun? Nicht starten? Geht nicht alle Bekannten und Freunde wissen was ich vorhabe. Da aber, wie es bei einer TOP Veranstaltung zu erwarten ist, auch ein Technik Service angeboten wird fuhr ich am Morgen dann doch Richtung Experiment. Weiterlesen