GiroBiero 2019


Bier soweit die Füße kurbeln.

Bier und Radfahren. Für viele unvereinbar weil auf dem Rad nur die Zeit zählt. Für andere eine gute Mischung, wie sich im Rahmen des ersten GIROBIERO in Ried im Innkreis zeigte.

Der Girobiero ist eine Veranstaltung für historische Räder, meist Rennräder. Räder aus der harten Zeit, aus der Stahlzeit. Als die meisten noch dachten Carbon muss was mit Carbonara zu tun haben. Die italienischen Nudeln sind auch gut und viele Sportler inhalieren die Pasta auch gerne. Gemeint sind aber Räder an denen die Schaltung noch unten am Rahmen war, als man mit 10 oder 12 Gängen auch zufrieden war. Ich habe 2 alte Stahlräder in meinem Keller. Ein Peugeot und ein Olmo aus Italien. Beides Anfang der achtziger gebaut.

Olmo ist die Marke des gleichnamigen Guiseppe Olmo. Seines Zeichens Olympiasieger 1932 in Los Angeles. Im Unterschied zu meinem ersten Vintage Rennen heuer in der Wachau war es nur ein kleines Starterfeld. Gesamt waren es ca 70 Teilnehmer. Es gab eine kleine Runde mit 16km, eine Strecke mit 70 km und eine lange mit 90 Kilometer. Ich wählte natürlich die lange. Wenn ich schon mal da bin dachte ich mir. Und ich sollte Recht behalten. Es hätten auch 100 oder 150 sein können.

Girobiero, der Name ist Programm. Es geht um Bier und um das Rad. Mit Unterstützung des Tourismus Verbandes konnten einige Brauereien gefunden werden. Die Idee selbst kam vom ARBÖ Radclub Ried. Ein paar Retro Freaks hatten die Idee dazu. Zum Faible für Stahl lieferten sie auch noch geniale Orts und Strassen Kenntnisse. Das alles zusammen macht eine erfolgreiche Veranstaltung aus.

Unser kleines Grüppchen stand also am Start und ging begleitet durch ein schönes Oldtimer Auto auf die Reise.

Nach fünf Kilometern ging es schon ab in die Pampas. Wie man so gerne sagt wenn man von der Hauptstraße abbiegt. Die ersten Teilstücke auf Schotter. Wie bei allen solchen Retro Veranstaltungen ist auch hier die Strecke so gewählt das man nicht nur auf modernen Asphalt fährt. Schotterwege, kleine Nebenstrassen, Wiesen und Feldwege gehören immer dazu. Schließlich war bei der Tour de France früher auch nicht alles geteert.

Danach ging es weiter Richtung Westen nach Geinberg. Ich war alleine unterwegs und stand plötzlich mitten in einem dieser beliebten Märkte am Land, wo Asiaten Einheimischen Wollstutzen oder Gemüsehobel verkaufen wollen. Ich hatte als Einheimischer natürlich zu jedem Ort auf diesem Girobiero einen Bezug. Überall ist Verwandtschaft oder sind Schulkollegen zu Hause. Ich schob mein Rad durch die Standl und Kirchgänger und kam jetzt nach Altheim.

Hier war auch die erste Labstation. Die Gaststube des Braugasthofs Wurmhöringer war schon gut besucht um 9 Uhr. Es war ja Sonntag und Kirchenzeit. Wir bekamen Bier in homöopathischen Mengen. In pfiff Gläser! Ich machte meinen Unmut Luft und bekam umgehend eine Halbe zur Verfügung gestellt. Die Kellnerin und der Stammtisch hatte Mitleid mit mir und den anderen. Die Pfiff Gläser wurden vom Tourismus Verband zur Verfügung gestellt. Nach zwei richtige Bier fuhr ich weiter, zuerst alleine, nach ein paar Minuten gesellten sich zwei Münchner zu mir und so fuhren wir gemeinsam Richtung Mauerkirchen. Die Strecke führte über viele Nebenstraßen die selbst ich als Einheimischer nicht kannte oder nur einmal im Leben befahren habe. Unsere Gruppe kam gegen 11 Uhr in Uttendorf an. Die Labstation war im Gasthof Vitzthum untergebracht. Hier wo auch das gute Uttendorfer Bier gebraut wird mischten wir uns wieder unter die „Kirchgänger“. Bei viel Bier wie üblich beim Frühschoppen ging es lustig zu. Unsere Gruppe wurde größer. Männer aus Linz und Wien stießen zu uns. Wir hatten unseren Spass, ehrlich. Ich tratschte mit der Chefin und es wurde noch lustiger. Wir hätten hier bleiben sollen. Ein Sonntag Vormittag beim Frühschoppen mit der Feuerwehr, Heimkehrer und der Musik. Dass die Wirtin meinen Bruder gut kannte versilberten wir in ein paar extra Runden Bier.

 

Die Tour ging weiter und wurde für mich noch aufregender. Es ging jetzt wieder Richtung Ried zurück, durch Orte die meine Kindheit prägten. Wo ich mit dem Schulbus gefahren bin. Davor waren aber noch einige rustikale Wege zu bewältigen. Einer davon war ein Waldweg mit Schotter, da hat’s mich so geschüttelt das eine Speiche gebrochen ist. Ich konnte nicht mehr fahren, ich hatte einen Achter im Hinterrad. Was soll ich tun.. ? Es gab einen Materialwagen mit Ersatzreifen, aber wer weiß wo der ist. Gott sei Dank war hier die nächste Labstation und ein erfahrener Radkollege hatte Werkzeug dabei. Einen Speichenschlüssel! Damit reparierte er mein Rad und ich konnte weiterfahren. Diese Labstation war eine Besondere. Es gab hier auch was zum Essen. Innviertler Spezialiäten! Und Bier aus der kleinen Brauerei Pfesch des hiesigen Bauern. Sensationell! Es gab die berühmten Innviertler Knödel, Erdäpfekas, Schmalz Brot, Grammel Brot.. die Hölle für Veganer! Der Bauer kannte natürlich auch meinen Bruder. Da gab’s natürlich Extra Bier. Wir befanden uns übrigens in Treubach im Ortsteil Pfendhub. Als Schulkind war ich einmal Taferlbua der Feuerwehr Pfendhub. Ich bekam 2 Limonaden, ein paar Frankfurter UND 100 Schilling als Sold! Mein Schulkollegen beneideten mich. Die waren bei größeren Orten bekamen aber nur Speis und Trank.

Gut gestärkt ging es näher nach Höhnhart, meinem Geburtsort. Leider gab es hier keine Labstation. Früher wäre es Pflicht gewesen, denn wir hatten auch mal eine Brauerei. Da hat meine Oma gearbeitet und wir wohnten sogar daneben. Ich kann mich noch gut an den Rauch und Geruch beim Fassl ausbrennen erinnern. Kommt daher meine Liebe zun Bier?

Im nächsten Ort gibt’s auch eine Brauerei. In Aspach da wo mein Bruder meine Schwester und meine Mama wohnen. Hier bin ich zur Hauptschule gegangen. Bei dieser Labstation war unsere Gruppe wieder vollzählig. Nach ein paar Bier mussten wir weiter es war schon Nachmittag aber nur noch Zwanzig Kilometer. Ein bisschen Wehmut kam auf. Die ruhige Stimmung wurde aber kurz vor Ried arg unterbrochen. Wir kamen nach Riegerting. Sicher nicht jedem ein Begriff aber das macht nix. Es war Sonntag Nachmittag und wir kamen am Sportplatz vorbei. Da war volles Haus. Die hatten nämlich Oktoberfest an diesem Wochenende. Ich motivierte meine Gruppe Einkehren.

Die Gegenwehr war gering, die Freude an der Schirmbar umso größer. Nach Verbrüderungen, einigen Bieren und ein Paar Schnappserl von den Marketenderinnen ging es sehr lustig weiter. Die Beine wurden müder. Kein Wunder wir hatten ja schon 80 Kilometer und einige Biere hinter uns. Unsere Gruppe viel wieder auseinander und so fuhr ich plötzlich mit einem alten Bekannten weiter. Walter ist über 80, arbeitet bei der Skiwachs Firma HWK. Ihn kenn ich schon lange, er hat schon oft meine Langlauf Ski gewaxlt bei diversen Marathons. Er stammt gebürtig aus Waldzell. Er ist mit dem Vater von unserem Goldi in die Schule gegangen. Wir unterhielten uns wie Vater und Sohn.

Wir fuhren gemächlich dem Ziel entgegen und merkten lange nicht das wir nicht mehr auf der richtigen Strecke waren. Wir standen plötzlich in der Pampas. Dieses Mal richtig. Wir landeten im hohem Gras bei einem Fisch Weiher. Nach einer halben Stunde fanden wir wieder raus auf die Strasse. Überglücklich und Stolz kehrten wir zum Ausgangspunkt zurück. Bei exzellentem Bier genossen wir den Herbsttag und ließen die Tour Revue passieren. Unsere Gruppe tauschte Fotos und Telefonnummern aus und waren sicher das wir uns 2020 wieder sehen werden.

Der Virus Vintage Rennen hat uns alle infiziert und Veranstaltungen gibt es ja schon einige in Österreich.

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