Erkundungstour durch das Klausbachtal


Vor kurzem machte ich mich auf eine “Fact Finding Mission“ ins benachbarte Bayern, nach Ramsau bei Berchtesgaden. Mein Ziel für diesen Tag: Prüfung der Strassen Beschaffenheit von Hintersee über den Hirschbichl Pass hinüber nach Weissbach bei Lofer.Ich möchte nämlich demnächst mit den Skirollern diese Strecke befahren. Natürlich nicht bergab, da sind dann doch sehr,  sehr steile Passagen –  Bremsen unmöglich.

Auf der Bind Alm
Auf der Bind Alm

Warum der Hirschbichl Pass?

Der Hirschbichl Pass hat etwas Besonderes zu bieten. Auf beiden Seiten der Grenze gilt es die steilste, asphaltierte öffentliche Strasse zu bewältigen. 30% Steigung! Richtig gelesen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Nach diversen Schilderungen von Radfahrern über die „Mutter aller Steigungen“ machte  ich mich an die Vorbereitung der Tour. Im Internet fand ich dann die Seite www.quaeldich.de. Einem Portal für Radfahrer , das von Tour Berichten der Biker lebt. Hier ist fast jeder Pass, jeder Gipfel in Europa bis ins Kleinste recherchiert und mit blumigen aber ehrlichen (Leidens)berichten verewigt. „Quäldich“ Ranglisten erleichtern einem die Wahl der Strecke. Hier wird die Steigung der Strasse in Bezug der Länge kategorisiert , damit erhält man gute Werte für die Vorbereitung.

Ich fuhr Sonntag  morgens zum Idyllischen Hintersee. Um 08:45 startete ich in den Regen hinein.  Ich war aber nicht beleidigt, denn ich hatte viele Kilometer und viele Höhenmeter vor mir. Zum Laufen sind gute Bedingungen. Die Temperatur war bei geschätzten 6-9  Grad. Zu Beginn der Strecke geht es an der Nationalpark Info Stelle vorbei. Die Strasse ist wirklich sehr gut Asphaltiert, so bin ich schon mal sehr erfreut. Ein paar Wanderer starren mich sehr irritiert an, als sie mich Richtung Pass laufen sehen. Mir egal. Am Anfang begegnet man einigen Kuhherden die sich das satte Grün schmecken lassen. Nach 2 km kommt man bei einem großen Wildfütterungs Platz vorbei. Im Winter gibt es auch romantische Kutschenfahrten bis hier her. Empfehlenswert für Kinder! Schlitten nicht vergessen, Beim Rückweg geht es leicht bergab. Nach einer halben Stunde kommt mir der erste Bus entgegen. Ein gutes Zeichen dachte ich mir. Der „Alm Erlebnis Bus“ wird im Sommer als Linienbus mehrmals täglich in beide Richtungen geführt. Nach Kilometer 4 ist man nach einer ersten 10%Steigung bei der Klausbach Hängebrücke. Ein Highlight der Strecke. Die Brücke wurde 2010 neu angelegt. Unzählige Male wurde sie schon von Gerölllawinen zerstört und 1999 ganz weg gerissen. Ich mache ein paar Fotos und laufe motiviert weiter. Nach einem kurzen Flachstück ist man bei der Engert Alm, einer alten Holzarbeiter Hütte mit untergebrachter Infostelle des Nationalparks. An dem ersten Radfahrer des Tages laufe ich, wie es sich gehört, zügig vorbei.

Jetzt ist Schluss mit lustig

Ab hier wird es hart. Richtig hart. Vor mir bäumt sich die erste steile Sektion auf. Ich staune ob der mutigen Strassen Führung. Die knapp drei Meter breite Strasse windet sich in einer rechts-links Kombination  100 Höhenmeter hinauf. Auf einer Länge von nur 300 Meter. Da haben wir „Sie“ also die ersten 30%.  Kein Schild kündet davon, ist aber auch nicht notwendig. Man spürt es eh gleich. Als ich gerade in die Wand laufe kommt wieder der Almbus. Das Schild Steinschlaggefahr dürfte den Busfahrer  nur noch mehr motivieren. Stark rauchend kämpft sich der Bus die beiden Kehren hoch. Mir stockt der Atem. Da rauf – und auch wieder runter! Mir zittern zumindest die Knie, beim Gedanken mit dem Bus da runter zu fahren, wie ich es eigentlich geplant habe. Die Steigung ist so steil das ich fast nicht laufen kann. Nach dieser Ouvertüre geht’s gemächlich weiter. Der Himmel über dem Klausbachtal ist noch immer Wolkenverhangen. Weit und breit bin ich zu dieser frühen Stunde der einzige Mensch auf diesem historischen Tansportweg.  Nach 20 Minuten kommt die nächste Wand. Wieder extrem steil führt sie entlang einer Schlucht zum Pass. Die Wand endet direkt beim alten Grenzübergang. Nach einer Stunde und acht Kilometer erreiche ich die Passhöhe. Ein Gasthaus, das alte Zollgebäude und eine Info Ausstellung über den Pass  sind hier oben und warten auf Besucher. Auf Bayrischer Seite gibt es ein Fahrverbot für Privat PKW, auf der Pinzgauer Seite ist die Strasse frei für den allgemeinen Verkehr!  Beim zurück laufen sehe ich dann aber viele Autos die umdrehen. Würde ich auch machen.

Es geht bergab

Auf der unscheinbaren Passhöhe, wie auch im ganzen Klausbachtal zweigen viele schöne Wege in Seitentäler oder auf Almen ab. Ich bleibe aber vorerst auf der Strasse um mir ein Bild über den Straßenbelag zu machen. Der ist nach wie vor gut. Und meine Beine sind auch noch locker. Nach dem höchsten Punkt meiner Tour geht es kurz kupiert weiter bis ein extrem cooler „Point of View“ kommt. Nach einem privaten Sommerhäuschen auf einer Lichtung geht’s an einer senkrechten Steilwand vorbei weiter Richtung Weissbach. Der Blick richtet sich spektakulär ins Hintertal hinab. Einem Hochtal oberhalb von Weissbach bei Lofer. Der Punkt wirkt wie ein Eingang ins Ungewisse. Gewiss ist aber der nächste Downhill. Ich sehe das erste 30% Gefälle Schild meines Lebens. Mit kleinen Schritten tripple ich hinab. Die Strasse hat hier nur Mindestbreite und fällt nach rechts in eine tiefe Schlucht ab. Ein Gegenverkehr mit dem Bus lässt das Herz sicher sehr schnell schlagen. Wissend dass ich hier später rauflaufen darf ist die Vorfreude groß. In einem Wolkenfenster sehe ich den gegenüberliegenden Hang. Da ist es sicher schöner zu laufen. Aber bei dem Regen ist der Waldboden sehr nass und rutschig. Nachdem ich die 30% Gefälle hinter mir gelassen habe passiere ich das eigentliche Hintertal. Einsam ist es hier. Ein paar Bauernhöfe und das Gasthaust Lohfeyer.  Da aber das Wetter nach wie vor schlecht ist laufe ich weiter. Ich wechsle von der Strasse in den Wald auf einen alten Wanderweg. Entlang eines romantischen Wasserfalls geht es Talwärts. Die bekannte Seisenbergklamm lasse ich aus. Die spare ich mir für die nächste Tour auf. Außerdem habe ich kein Geld eingesteckt. Ich wollte eigentlich nicht so weit laufen. Durch die wilde Klamm kommt man schnell abwärts und plötzlich stehe ich vor einem Schild „Weissbach 30 Min“. Ich war überrascht vom Verlauf und so lief ich weiter Talwärts. Nach einem lässigen Downhill im Wald stehe ich plötzlich an der Ortstafel Weissbach. Zwei Stunden sind bis jetzt vergangen.

Voll motiviert

..knipse ich ein paar Fotos und schicke sie in die Heimat. Mangels Geld kann ich mir im Wirtshaus nichts kaufen und so trete ich nach 14 km wieder die Heimreise an. Ein Duell mit Radfahrern gewinne ich locker. Kein Wunder bei der Steilheit. Weil ich nur eine Flasche Iso Getränk dabei habe bekomme ich leichte Krämpfe. Es hindert mich aber nicht weiter zu laufen. Nach einer halben Stunde bin ich wieder bei der Wand.. Die 30% steile und 1 Kilometer lange Steigung bis zum Pass. Das Gefühl vor dieser Wand zu stehen ist Ultra schön. Mit sehr kurzen Schritten kämpfe ich mich Meter um Meter höher. Einfach Geil. Das muss man als Läufer oder Radfahrer einmal in seinem Leben machen. Nach 20 Minuten bin ich oben. Glücklich. Mein halber Liter Iso Getränk ist fast zu Ende. Bei der kühlen Witterung ist es aber kein Problem. Frohen Mutes mache ich mich auf den Weg ins Tal. Anders als am Hinweg laufe ich jetzt auf dem Wanderweg ins Tal. Ein sehr gut ausgebauter Wanderweg führt mich Talauswärts. Immer wieder muß ich stehen bleiben  und die Natur bewundern. Trotz Regen könnte es kaum schöner sein. Bei der Bindalm bleibt mein Herz stehen. So schee. Immer wieder stimme ich „wuids wossa“ von den Seern an. Es ist jetzt halb eins und immer mehr Wanderer kommen mir entgegen.  Auf den letzten Meter habe ich schon riesigen Durst. Ein Hungerast nervt mich auch. Kein Wunder nach 3:45 Laufen auf 28Km und 1100 Höhenmetern. Am sehr kalten Hintersee wasche ich mich kurz und gehe in ein kleines Gasthaus. 2 Radler und eine Fritattensuppe sind meine Belohnung. Immer noch überwältigt von der Natur geht’s ab nach Hause.

Ich kann es kaum noch erwarten die Tour bei Schönwetter zu machen. Dann als Duathlon: Bergauf Skiroller auf der Strasse, Bergab Trailrunning auf Wanderwegen. Das Topping: Laufen durch die Seisenberg Klamm.

>> GPS Track Aufzeichnung

>> KML Datei

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