Ganghoferlauf 2015 – 50km Klassisch Top & Flop


Nach 2 Jahren Pause feierte ich mein Comeback beim Ganghoferlauf. Wieder im Dienst des xc-ski.de Marathon Teams. Der Lauf ist Mitglied der Euroloppet und Austrialoppet Serie und einer der schönsten Langlauf Marathons die ich kenne. Ich war voller Tatendrang und guten Mutes. Seit meinem Marcialonga Auftritt im Jänner konnte ich regelmäßig lange Einheiten jenseits der 30Km Marke absolvieren. Es sollte mein zweites Rennen im klassischen Stil sein. Wenn auch unter ganz anderen Bedingungen. Der Marcialonga ist ja eher ein (sorry Italia) Downhill, so ein Rennen gibt es bei uns nicht. Er ist aber natürlich eine Reise wert.

Hillrunner68@ganghoferlauf 2015

Hillrunner68@ganghoferlauf 2015

 

Auf geht‘s

Ich buchte ich mir ein Zimmer in Seefeld, im WM Ort 2019. In Leutasch war nichts mehr frei. Ich kam wegen einem Stau auf der Autobahn erst nach 17:00 an und verpasste somit die Startnummern-Ausgabe. Das hatte Folgen wie sich später heraus stellen sollte. Um mich Mental etwas abzulenken flanierte ich durch das eher mondäne Seefeld. Die noch immer glitzernde Weihnachtsbeleuchtung versetzte mich in Stimmung. Meine Stimmung wurde  noch besser. Andreas Gabalier war im Ort! Er gab ein großes Open Air Konzert. Party Alarm. ABER es gab keine Party für mich. Auch wenn es mir schwer viel, ging ich im Angesicht meiner Aufgabe um Zwanzig Uhr in mein Hotel. Um 06:00 war Tagwache. Leider kam mein Hotelbesitzer so spät zur Rezeption, das ich wieder Verspätung hatte. Um 08:10 war ich in Leutasch, das wird knapp dachte ich mir. Ich war ungewollt im Stress weil ich auf meine Ski, bei dem heiklen Rennen, nicht selbst das Steigwachs auftragen wollte. Ich musste mich an einen Wachsstand bei Start&Ziel wenden. Da aber nur eine Firma Steigwachs Service anbot bekam ich eine leichte Krise. Sie konnten aus Zeitgründen meine Ski nicht mehr präparieren!  50 Kilometer klassisch, eine schwere Strecke und ein fragwürdiges Wetter. Die Wolken über Leutasch wurden noch dunkler. Ich hatte nur noch 15 Minuten bis zum Start, eine Entscheidung musste her. Ganz ohne Grip geht’s bei dem Streckenprofil nicht. Es blieb mit nichts anders übrig als einen Steigwachs Spray zu verwenden den ich noch zufällig im Auto hatte. Den hatte ich beim Marcialonga gekauft, der wurde damals für den Cascata Climb empfohlen. Obwohl so ein Spray bei  anspruchsvollen Klassikläufern verpönt ist blieb mir keine andere Wahl. Rauf damit und ab zum Start.

Ein Lauf ins Ungewisse

Der Startraum war schon übervoll und ich mußte ganz hinten starten. War mir aber egal weil vorne bei den Euroloppet Pass Inhabern (ich habe auch einen) es eh immer übertrieben hektisch ist. Und die Strecke war ja fünfzig Kilometer lang. 2 Runden a 25km, die von Leutasch hinauf in den 150 Höhenmetern höher gelegenen Ortsteil Plaik geht. Dann wieder hinunter zur Leutascher Kirche und weiter hinauf nach Muggenmoos . Hier sind 2 schnelle Abfahrten zu bewältigen, Anstiege natürlich auch. Wieder unten in Moos biegt der Klassisch Kurs sehr motiviert wieder in den Wald und man darf weitere 100 Höhenmeter sammeln. Skating Läufer haben es da viel einfacher. Warum eigentlich?

Das Feld bewegt sich nur langsam vom Start weg und es geht hinten im Feld eher gemütlich in das Rennen,  denn Überholen geht gar nicht, kein Platz. Nach zwei Kilometer kommt der erste schwere Anstieg.  Grätschen ist angesagt. Und nochmal Grätschen, der Anstieg scheint kein Ende zu nehmen. Mein Puls kennt auch kein Limit. Die Abfahrt ins Tal hinunter kann man locker als Downhill bezeichnen. Mit Bewunderung erkenne ich in meinen Augenwinkeln die Elite, die schon wieder ins Tal saust. Da gehört schon auch Mut dazu fast ohne Bremsen hinunter gen Tal zu preschen. Die Sicht ist schlecht und ohne Brille sehe ich gleich noch viel weniger. Im Downhill erblicke ich noch befreundete Sportlerinnen aus meiner Heimat, ein kurzer Smalltalk und ich ziehe an ihnen vorüber.  Vor 2 Jahren ich noch hinter Ihnen war im Ziel. Ich freue mich und laufe motiviert weiter. In einem größeren Pulk mit 25km Läufern und Marathon Läufern geht’s vorbei an der schönen Barocken Kirche von Leutasch. Hab aber nichts zum Beichten also weiter. Die nächsten  10 km verlaufen flach, Zeit zum Sammeln. Für Abwechslung sorgen die 20KM Skater. Die Elite zischt an mir vorbei, herrlich. Bei km 15 kommen zwei steile Anstiege mit sehr schnellen Abfahrten, nur mit Mühe kann ich wegen einem Ausweichmanöver einen Sturz verhindern. Das waren sicher 50km/h – auf einem Fuß! Nach der letzten Labstelle zweigt der Klassik Kurs ab in den Wald und macht nochmal eine sehr, sehr hügelige 5KM Schleife im Wald. Noch bin ich guter Dinge. Meine Uhr zeigt 1:35 an als ich die erste Runde beende und in die zweite gehe. Ich rechne mit 3:15 für die 50KM. Damit wäre ich zufrieden. Es ist immerhin klassisch und der Schnee ist auch langsam.

Ruhe kehrt ein

Ruhe kehrt ein – es gibt nicht mehr viel zu sagen. Ich fluche nur noch. Anders als in der ersten Runde wird es jetzt einsam. Nur eine zehnköpfige Gruppe ist vor mir im ersten Anstieg. Schnell verliere ich sie aus den Augen. Schneefall setzt ein und ich mein Ski greift nicht mehr wie er soll. Also grätschen. Das wäre kein Problem aber  es kostet Kraft und Schnee klebt auf meinem Ski und sofort wachse ich um ein paar Zentimeter. Es ist zum Weinen. In den leichten Bergauf Passagen rutsche ich zurück, in den steilen Anstiegen stolpere ich rauf und in den Abfahrten kann von gleiten keine Rede mehr sein.  Immer wieder streife ich den Schnee unter dem Ski ab. Total entkräftet muß ich zehn KM vor dem Ziel sogar die Ski abschnallen und den Schnee abkratzen.  Kein guter Tag. Mit sehr viel Mühe und Fluchen bewältige ich die, für mich unnötige und auch noch hügelige 5km Waldschleife kurz vor Ende der Runde.  Wer denkt sich so was aus? Der ist wohl ein rechter Schinderhannes! Am Ende erreiche ich in 3:37 das Ziel. Was wäre da heute möglich gewesen? Viele Fragen und Gedanken gehen durch meinen Kopf.
Beim nächsten Rennen in Bodenmais in Zwei Wochen bin ich Material mäßig sicher besser vorbereitet. Als Ansporn für weitere Taten belohne ich mich am Abend mit einer Anmeldung beim „La Diagonela“ in der Schweiz, im Jänner 2016! Geht doch.

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